Artenschutz im Spessart
Fachleute rücken zusammen

- Ei eines Thymian-Ameisenbläulings auf einer Blüte. Sein Problem: Die Blüten vertrocknen wegen der fortschreitenden Klimakrise zu früh - die Fortpflanzung ist daher stark gefährdet.
- Foto: Torsten Ruf
- hochgeladen von Naturpark Spessart e.V.
Naturschutz wirkt – erste Projekte helfen Wildbienen, Amphibien und seltenen Pflanzen. Fachleute fordern nun, erfolgreiche Maßnahmen auszuweiten und gemeinsam neue Lebensräume zu schaffen.
Biodiversität in Gefahr – Was jetzt getan werden muss
Die Natur im Spessart steht unter Druck: Klimakrise, Flächenverbrauch und veränderte Landnutzung setzen vielen Arten messbar zu. Zu einem „Runden Tisch Artenhilfsmaßnahmen im Spessart“ kamen am 14. März auf Einladung des Naturpark Spessart-Vereins rund 40 Fachleute aus Bayern und Hessen im Landratsamt Aschaffenburg zusammen.
Ihr Fazit: Der Handlungsbedarf ist dringender denn je. „Es müssen jetzt dringend Maßnahmen in der Fläche ankommen“, forderten die versammelten Expertinnen und Experten.
Alarmierende Bestandsrückgänge
Fachleute aus Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverbänden, Wissenschaft und ehrenamtlichem Engagement präsentierten und diskutierten aktuelle Untersuchungen sowie konkrete Maßnahmen.
Dr. Steffen Scharrer, Dr. Robert Güsten und Dr. Oliver Kaiser berichteten von teils drastischen Rückgängen bei Wildbienen, Schmetterlingen und Heuschrecken. Auch bei den Amphibien sieht es schlecht aus.
„Beispielsweise trocknen viele Laichgewässer von Gelbbauchunken und Kreuzkröten inzwischen zu früh aus. Die teils winzigen Restvorkommen sind stark voneinander isoliert“, erklärte Scharrer.

- Fachleute aus Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverbänden, Wissenschaft und ehrenamtlichem Engagement präsentierten und diskutierten aktuelle Untersuchungen sowie konkrete Maßnahmen zum Artenschutz im Spessart.
- Foto: Andreas Gries
- hochgeladen von Naturpark Spessart e.V.
Auch der seltene Thymian-Ameisenbläuling ist akut bedroht: So vertrockneten zuletzt die Thymianblüten, die der Falter zur Fortpflanzung braucht und auch die Pflege der Biotope muss verbessert werden.
Nicht nur steigende Temperaturen und Trockenheit sind ein Problem. Auch eine ungeeignete Nutzung von Flächen und der Rückgang alter Bäume machen der Artenvielfalt zu schaffen. Der Moos- und Flechtenexperte Prof. Dr. Burkhard Büdel betonte daher: „Viele Arten brauchen einfach wieder mehr alte Bäume.“
Gezielte Maßnahmen dringend nötig
Neben den düsteren Bestandsaufnahmen ging es auch um erfolgreiche Lösungen. Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland beim Naturpark Spessart, stellte Artenhilfsmaßnahmen für hochgefährdete Pflanzen wie Faden-Enzian und Haarstrang-Wasserfenchel vor. Diese gibt es bayernweit nur noch im Spessart. Unterstützung kommt dabei von Landschaftspflegeverbänden und botanischen Gärten in Würzburg und Gießen. „Eigentlich müssten wir uns so um Dutzende mehr Arten kümmern“, sagt Salomon.
Weitere Themen beschäftigen sich mit der Bekämpfung invasiver Pflanzen oder der ehrenamtlichen Fledermausberatung. Noch engere Kooperationen mit Landwirtinnen und Landwirten und sogar Golfplatzbetreibern sollen helfen, wertvolle Rückzugsorte für seltene Tiere und Pflanzen zu erhalten.
Biodiversität schützt uns alle
Warum ist das wichtig? Biodiversität ist kein Luxus, sondern überlebenswichtig – auch für uns Menschen. Intakte Ökosysteme sorgen für saubere Luft, gesunde Böden und eine stabile Nahrungsproduktion. Sie speichern Kohlendioxid, wirken Extremwetter entgegen und mildern so die Klimakrise ab. Auch Heimatgefühl und Erholungswert hängen direkt mit der Biodiversität einer Region zusammen.

- Ei eines Thymian-Ameisenbläulings auf einer Blüte. Sein Problem: Die Blüten vertrocknen wegen der fortschreitenden Klimakrise zu früh - die Fortpflanzung ist daher stark gefährdet.
- Foto: Torsten Ruf
- hochgeladen von Naturpark Spessart e.V.
Doch Naturschutz braucht Personal und Geld – und genau das fehlt oft. Der Geschäftsführer des Naturpark Spessart e.V. mit Sitz in Gemünden Oliver Kaiser, machte deutlich, dass gerade aktuell viele dringende Maßnahmen an fehlenden Mitteln scheitern.


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